Mundgesundheit in der Altenpflege: Ein Leuchtturmprojekt zeigt, wie es geht

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Foto: Junior REIS auf Unsplash

Die Mundgesundheit von Pflegebedürftigen in stationären Einrichtungen ist oft ein vernachlässigtes Thema – dabei ist sie entscheidend für das allgemeine Wohlbefinden. Ein Leuchtturmprojekt in einer Altenpflegeeinrichtung zeigt nun, wie Pflegekräfte mit einfachen Methoden und der richtigen Schulung die Mundhygiene ihrer Schützlinge deutlich verbessern können. Dieser Artikel beleuchtet das Projekt, gibt praktische Tipps und erklärt, warum die Zusammenarbeit zwischen Pflege und Zahnmedizin so wichtig ist.

Warum Mundgesundheit in der Pflege so wichtig ist

Die Mundhöhle ist ein Spiegel der Gesundheit. Bei älteren Menschen, die auf Pflege angewiesen sind, kommen oft mehrere Faktoren zusammen: verbliebene eigene Zähne, komplexer Zahnersatz wie Implantate, Teleskopprothesen oder Brücken, und häufig auch Mundtrockenheit, die Speisereste begünstigt. Dies erhöht das Risiko für Zahnfleischentzündungen, Karies und Schmerzen. Gleichzeitig wird die Mundpflege in der Hektik des Pflegealltags oft vernachlässigt, weil sie als aufwendig oder unangenehm empfunden wird. Dabei ist sie ein zentraler Baustein der Gesundheitsvorsorge – auch im Hinblick auf die Prävention von Aspirationspneumonien und anderen Folgeerkrankungen.

Das Leuchtturmprojekt: Schulung für Pflegekräfte

Meike Wattjes, Zahnmedizinische Fachangestellte und BA Dentalmanagement, wurde für ihr Engagement für die Mundgesundheit von Pflegebedürftigen mit dem PraxisAWARD Prävention ausgezeichnet. Sie entwickelte ein Schulungskonzept für Pflegekräfte in einer stationären Einrichtung – das Ev. Altenzentrum Westerstede. Ziel ist es, Pflegekräfte zu befähigen, die Mundhygiene der Bewohner täglich fachgerecht durchzuführen. Die Schulung umfasst theoretisches Wissen über Zähne, Zahnerkrankungen und Zahnersatz sowie praktische Übungen. Einmal täglich soll eine gründliche Zahn-, Mund- und Prothesenpflege in etwa fünf Minuten durchgeführt werden – mit Struktur und den richtigen Hilfsmitteln. „Fundiert geschulte Personen können diesen Pflegeaspekt leicht und in einem sehr überschaubaren Zeitrahmen durchführen, ihn weitergeben und ihn zu einer erfolgreichen Routine entwickeln, die Freude bereitet“, so Wattjes. Die Pflegedienstleitung Marc Stoyke betont: „Das Thema Mundhygiene muss ernster genommen werden und darf nicht mit der Erstellung eines Standards getan sein! Die praktische Umsetzung ist das Erfolgsrezept.“

Die Pflegeampel und individuelle Hilfsmittel

Im Projekt kommt die von der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg entwickelte Pflegeampel zum Einsatz. Sie hilft Pflegekräften, den Zustand der Mundhöhle schnell einzuschätzen und geeignete Maßnahmen abzuleiten. Zudem lernen die Pflegekräfte, für jeden Bewohner individuelle Hilfsmittel auszuwählen – von der Handzahnbürste mit kleinem Kopf über Interdentalbürsten bis hin zu speziellen Prothesenbürsten. Bei Mundtrockenheit und multiplen Beschwerden hat sich im Projekt die Zahnpasta elmex Sensitive plus Zahnfleischpflege bewährt. Die Akzeptanz bei den Bewohnern und Pflegekräften war hoch. Ein Beispiel: Bewohnerin Frau T. kann ihre Oberkieferprothese unter Anleitung selbst am Waschbecken abspülen, für die restliche Mundhygiene benötigt sie Unterstützung. Durch die aktive Einbindung in die Routine und das Besprechen der Schritte gelingt die Pflege stressfrei. Sogar demenziell erkrankte Bewohner lassen sich auf die neue Routine ein, wenn sie ihren Möglichkeiten entsprechend beteiligt werden.

Expertenstandard und Motivation durch sichtbare Erfolge

Die Arbeit von Meike Wattjes basiert auf dem 2023 veröffentlichten Expertenstandard zur Förderung der Mundgesundheit in der Pflege des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung (DNQP). Dieser Standard ist verbindlich, wird aber in der Praxis oft nicht ausreichend umgesetzt. Pflegedienstleiter Marc Stoyke erklärt: „Die Mitarbeitenden konnten durch das Projekt direkt am Bewohner erleben, wie mit den richtigen Hilfsmitteln und guter Kommunikation eine effektive Mund- und Zahnpflege möglich sind. Insbesondere haben wir erfahren, wie unkompliziert sie sich in den Alltag integrieren lassen.“ Motivierend wirken auch Vorher-Nachher-Fotos, die den Erfolg sichtbar machen und zeigen, dass eine gute Mundhygiene die allgemeine Pflegequalität verbessert.

Vier Tipps aus der Pflegepraxis für Angehörige

Wenn Sie einen Angehörigen zu Hause pflegen, können Sie von den Erfahrungen des Projekts profitieren:

  1. Einmal täglich bewusst Zeit für die Mundpflege nehmen: Eine gründliche Zahn-, Mund- und Prothesenpflege muss nicht lange dauern. Mit der richtigen Technik, den passenden Hilfsmitteln und einer klaren Struktur machen bereits 5 Minuten täglich einen großen Unterschied.
  2. Mundgesundheit beginnt mit genauem Hinschauen: Achten Sie auf Veränderungen wie gerötetes oder blutendes Zahnfleisch, Beläge, Druckstellen, Mundtrockenheit oder verändertes Essverhalten. Behalten Sie auch die Nebenwirkungen von Medikamenten im Blick – einige Wirkstoffe können zu Veränderungen im Mundraum führen.
  3. Die richtigen Hilfsmittel finden: Nicht jede Zahnbürste oder jedes Pflegeprodukt passt zu jeder Mundsituation. Elektrische Zahnbürsten, Interdentalbürsten oder spezielle Prothesenbürsten können die Mundpflege deutlich erleichtern – besonders bei komplexem Zahnersatz. Lassen Sie sich von einer Fachperson beraten.
  4. Kleine Routinen schaffen große Erfolge: Mundpflege funktioniert am besten, wenn sie fest in den Tagesablauf integriert wird. Klare Zuständigkeiten und Abläufe geben Ihnen und Ihren Angehörigen Sicherheit.

FAQ: Häufige Fragen zur Mundpflege bei Pflegebedürftigen

Wie oft sollte die Mundpflege bei Pflegebedürftigen durchgeführt werden?
Idealerweise zweimal täglich, mindestens aber einmal gründlich – das zeigen auch die Erfahrungen aus dem Leuchtturmprojekt.

Was tun bei Mundtrockenheit?
Mundtrockenheit begünstigt Karies und Beläge. Spezielle Zahnpasten und Mundspülungen können helfen, ebenso wie ausreichend Flüssigkeitszufuhr. Sprechen Sie mit dem Arzt über mögliche Ursachen, z.B. Medikamente.

Warum ist die Pflegeampel hilfreich?
Die Pflegeampel bietet eine einfache Orientierung, um den Zustand der Mundhöhle zu beurteilen und passende Maßnahmen einzuleiten – sie ist ein praktisches Werkzeug für Pflegekräfte und Angehörige.

Was gehört zur Prothesenpflege?
Herausnehmbarer Zahnersatz sollte täglich mit einer speziellen Prothesenbürste und ggf. Reinigungstabs gereinigt werden. Auch die Mundschleimhaut unter der Prothese muss gepflegt werden.

Fazit: Mundgesundheit ist ein Gewinn für alle

Das Leuchtturmprojekt zeigt eindrucksvoll, dass mit geringem Aufwand große Wirkung erzielt werden kann. Geschulte Pflegekräfte sind in der Lage, die Mundgesundheit ihrer Schützlinge nachhaltig zu verbessern und damit deren Lebensqualität zu steigern. Die Kooperation zwischen Pflege und Zahnmedizin ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. Wenn Sie selbst pflegen, lassen Sie sich von den Tipps inspirieren – Ihre Lieben werden es Ihnen danken.

Quellen

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