Weisheitszähne: Wann müssen sie wirklich raus?

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Foto: Erfan Amiri auf Unsplash

Weisheitszähne – kaum ein Thema in der Zahnmedizin sorgt für so viele Fragen und Mythen. Jahrelang wurden sie bei jungen Erwachsenen fast routinemäßig gezogen, heute sind Zahnärzte zurückhaltender. Doch wann ist eine Entfernung wirklich notwendig? Und können Weisheitszähne nicht auch einfach im Kiefer bleiben? Dieser Artikel gibt Ihnen einen verständlichen Überblick über den aktuellen Stand der Zahnmedizin – und hilft Ihnen, die richtige Entscheidung für Ihre Mundgesundheit zu treffen.

Was sind Weisheitszähne überhaupt?

Weisheitszähne (auch „dritte Molaren“ genannt) sind die hintersten Zähne im menschlichen Gebiss. Sie brechen meist erst zwischen dem 18. und 24. Lebensjahr durch – oft aber auch gar nicht oder nur teilweise. Bei etwa 80 von 100 jungen Erwachsenen bleibt mindestens ein Weisheitszahn im Kiefer verborgen. Das ist an sich kein Problem: Viele Menschen haben gar keine Beschwerden und bemerken ihre Weisheitszähne nie.

Wann machen Weisheitszähne Probleme?

Auch wenn Weisheitszähne oft harmlos sind, können sie durchaus Ärger bereiten. Typische Probleme sind:

  • Schmerzen und Schwellungen: Wenn ein Weisheitszahn nur teilweise durchbricht, kann sich das Zahnfleisch darüber entzünden (Perikoronitis).
  • Karies und Schäden am Nachbarzahn: Schwer zu erreichende Stellen begünstigen Karies – sowohl am Weisheitszahn selbst als auch am benachbarten Mahnzahn.
  • Zahnfehlstellungen: Weisheitszähne können Druck auf andere Zähne ausüben und diese verschieben.
  • Zysten oder Tumore: In seltenen Fällen können sich im Gewebe um den Weisheitszahn Zysten bilden.

Wenn solche Beschwerden auftreten, ist eine Entfernung meist unumgänglich. Doch was ist mit Weisheitszähnen, die keine Probleme machen?

Früher war alles anders: Der Wandel in der Zahnmedizin

Bis vor einigen Jahren war die Devise: Weisheitszähne raus, bevor sie Probleme machen. Doch diese Routine-Extraktion gehört heute der Vergangenheit an. Die aktuelle Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) und der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) empfiehlt: Nur entfernen, wenn tatsächlich Probleme auftreten oder mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten sind.

„Nicht jeder Weisheitszahn muss entfernt werden. Die Entscheidung sollte individuell getroffen werden – nach gründlicher Untersuchung und Abwägung von Nutzen und Risiken.“ – Dr. med. dent. Susanne Weber, Kieferchirurgin (Beispielzitat)

Der Grund für diesen Wandel: Eine Entfernung ist ein chirurgischer Eingriff mit möglichen Komplikationen wie Nervverletzungen, Nachblutungen oder Infektionen. Wenn ein Weisheitszahn keine Beschwerden verursacht, überwiegen die Risiken des Eingriffs oft den Nutzen.

Wie wird heute entschieden?

Wenn Sie sich wegen Ihrer Weisheitszähne unsicher sind, ist der erste Schritt ein Besuch bei Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt. Diese untersucht Ihre Mundhöhle und den Kiefer und erstellt in der Regel eine Röntgenaufnahme. Anhand des Röntgenbildes kann sie beurteilen:

  • Wie liegen die Weisheitszähne? (gerade, schräg, quer)
  • Ist genug Platz im Kiefer vorhanden?
  • Drohen Schäden an benachbarten Zähnen?

Auf dieser Grundlage kann sie gemeinsam mit Ihnen entscheiden, ob eine Entfernung sinnvoll ist. In manchen Fällen kann auch eine kieferchirurgische Zweitmeinung hilfreich sein.

Was passiert bei einer Weisheitszahn-Entfernung?

Wenn eine Entfernung notwendig ist, erfolgt sie in der Regel ambulant unter örtlicher Betäubung. Sie sind also während des Eingriffs wach, spüren aber keine Schmerzen. Der Eingriff dauert je nach Schwierigkeitsgrad zwischen 15 und 45 Minuten. Nach der Operation können Schwellungen und Schmerzen auftreten, die aber mit Schmerzmitteln und Kühlung gut in den Griff zu bekommen sind. In den meisten Fällen können Sie noch am selben Tag nach Hause gehen.

FAQ: Häufige Fragen zu Weisheitszähnen

Müssen Weisheitszähne immer entfernt werden?
Nein. Nur wenn sie Probleme verursachen (z.B. Schmerzen, Entzündungen, Karies) oder absehbar Probleme verursachen werden (z.B. Platzmangel, Zystenbildung), ist eine Entfernung empfehlenswert.

Kann ich Weisheitszähne im Kiefer behalten?
Ja, wenn sie vollständig durchgebrochen sind, gut zu reinigen sind und keine Beschwerden machen, können sie im Mund bleiben. Auch komplett im Kiefer verborgene Weisheitszähne müssen nicht zwingend entfernt werden, solange sie keine Schäden verursachen.

Was ist eine Perikoronitis?
Das ist eine Entzündung des Zahnfleisches um einen teilweise durchgebrochenen Weisheitszahn. Sie äußert sich durch Schmerzen, Schwellung und manchmal Eiterbildung und sollte zahnärztlich behandelt werden.

Ist die Entfernung schmerzhaft?
Dank der örtlichen Betäubung ist der Eingriff selbst schmerzfrei. Nach dem Abklingen der Betäubung können Schmerzen auftreten, die aber mit Schmerzmitteln gut behandelbar sind.

Was kostet die Entfernung?
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht. Bei rein prophylaktischer Entfernung kann es sein, dass Sie die Kosten selbst tragen müssen – fragen Sie am besten vorher bei Ihrer Kasse nach.

Fazit: Keine Angst vor Weisheitszähnen – aber auch keine Routine-Ops

Die Zeiten, in denen Weisheitszähne vorsorglich gezogen wurden, sind vorbei. Heute steht die individuelle Abwägung im Vordergrund. Lassen Sie sich von Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt beraten und stellen Sie Fragen – so treffen Sie die beste Entscheidung für Ihre Mundgesundheit.

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG), Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK). Operative Entfernung von Weisheitszähnen (S2k-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 007-003. 2019.
  • Dodson TB, Susarla SM. Impacted wisdom teeth. BMJ Clin Evid 2014: pii: 1302.
  • IQWiG-Gesundheitsinformationen: Weisheitszähne. https://www.gesundheitsinformation.de/weisheitszaehne.html

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