Paraprobiotika als Unterstützung der Parodontaltherapie: Neue Erkenntnisse aus einer klinischen Studie

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Foto: Caroline LM auf Unsplash

Haben Sie schon einmal von Paraprobiotika gehört? Diese inaktivierten Mikroorganismen könnten die Zukunft der Parodontaltherapie einläuten. Eine aktuelle klinische Studie der Universität Pavia hat untersucht, ob tyndallisierte Probiotika in Zahnpasta und Mundspülung die Behandlung von Parodontitis unterstützen können – mit vielversprechenden Ergebnissen.

Parodontitis, umgangssprachlich oft als Parodontose bezeichnet, ist eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparats, die unbehandelt zu Zahnverlust führen kann. Die Standardtherapie ist das sogenannte Scaling und Root Planing (SRP), bei dem Zahnstein und bakterielle Beläge unterhalb des Zahnfleischrands entfernt werden. Doch trotz dieser professionellen Reinigung kommt es häufig zu einer erneuten Besiedlung mit schädlichen Bakterien. Hier setzen Paraprobiotika an.

Was sind Paraprobiotika?

Paraprobiotika sind hitzeinaktivierte (tyndallisierte) Probiotika – also nützliche Bakterien, die abgetötet wurden, aber dennoch positive Effekte auf den Körper haben können. Im Gegensatz zu lebenden Probiotika bergen sie kein Risiko für Infektionen, was sie besonders für ältere oder immungeschwächte Menschen sicher macht. Sie wirken unter anderem immunmodulierend, entzündungshemmend und können das Wachstum von Krankheitserregern hemmen.

Die Studie im Detail

In der randomisierten kontrollierten Studie wurden 40 Patienten mit Parodontitis in zwei Gruppen eingeteilt. Beide Gruppen erhielten zunächst eine professionelle Zahnreinigung (SRP). Danach putzten die Teilnehmer der Kontrollgruppe sechs Monate lang mit einer chlorhexidinhaltigen Zahnpasta (0,2 %), während die Testgruppe eine Paraprobiotika-Zahnpasta und eine Paraprobiotika-Mundspülung (Biorepair Peribioma) verwendete. Nach 3 und 6 Monaten wurden verschiedene klinische und mikrobiologische Parameter gemessen.

„Die Verwendung der paraprobiotischen Produkte führte zu einer signifikanten Verbesserung der meisten klinischen Indizes, und zwar in stärkerem Maße als das herkömmliche Chlorhexidin.“ – Dr. Andrea Butera, Leiter der Studie

Klinische Ergebnisse: Weniger Zahnfleischbluten und tiefere Taschen

Die Testgruppe zeigte im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich bessere Werte:

  • Blutung auf Sondierung (BoP): In der Testgruppe sank der Wert von 66,75 % auf 26,00 % nach 6 Monaten, in der Kontrollgruppe nur von 81,25 % auf 74,00 %.
  • Sondierungstiefe (PPD): Auch hier verbesserte sich die Testgruppe signifikant (von 6,69 mm auf 4,91 mm), während die Kontrollgruppe weniger Fortschritte erzielte.
  • Klinischer Attachmentverlust (CAL): In der Testgruppe reduzierte sich der Attachmentverlust von 6,23 mm auf 4,64 mm – ein Zeichen für eine echte Regeneration des Zahnhalteapparats.

Diese Unterschiede waren statistisch signifikant (p < 0,05).

Mikrobiologische Veränderungen: Weniger „Rote-Komplex“-Bakterien

Neben den klinischen Verbesserungen wurden auch die Bakterien in den Zahnfleischtaschen analysiert. Besonders beachtlich: Der Anteil krankheitsverursachender Bakterien (pathogene Bakterien) sank in der Testgruppe von 24,20 % auf 11,70 %, während er in der Kontrollgruppe nahezu unverändert blieb. Auch die Bakterien des sogenannten „Roten Komplexes“ – eine Gruppe besonders aggressiver Parodontitiserreger wie Porphyromonas gingivalis – gingen in der Testgruppe deutlich zurück.

Was bedeutet das für Sie?

Die Studienergebnisse legen nahe, dass Paraprobiotika in Zahnpasta und Mundspülung eine wirksame Ergänzung zur professionellen Zahnreinigung sein können. Sie helfen, Entzündungen zu reduzieren, die Taschentiefe zu verringern und das Gleichgewicht der Mundflora wiederherzustellen – und das ohne die Nebenwirkungen von Antibiotika oder die Verfärbungen, die bei längerer Anwendung von Chlorhexidin auftreten können.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Probiotika und Paraprobiotika?
Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die gesundheitliche Vorteile bieten. Paraprobiotika sind dagegen hitzeinaktivierte (abgetötete) Probiotika, die dennoch immunmodulierend und entzündungshemmend wirken, aber kein Infektionsrisiko darstellen.

Kann ich Paraprobiotika auch ohne Zahnarztbesuch verwenden?
Paraprobiotika sind als unterstützende Maßnahme gedacht. Sie ersetzen nicht die professionelle Zahnreinigung oder die Behandlung durch den Zahnarzt. Bei Parodontitis ist eine gründliche Diagnose und Therapie durch einen Fachzahnarzt unerlässlich.

Sind Paraprobiotika sicher?
Ja, da die Mikroorganismen abgetötet sind, besteht kein Risiko einer Besiedlung oder Infektion. Sie gelten als sehr gut verträglich.

Wie lange dauert es, bis eine Wirkung eintritt?
In der Studie zeigten sich bereits nach 3 Monaten deutliche Verbesserungen, die sich nach 6 Monaten noch verstärkten.

Wo bekomme ich Paraprobiotika-Produkte?
Es gibt verschiedene Hersteller, die Zahnpasten und Mundspülungen mit Paraprobiotika anbieten, z. B. Biorepair Peribioma. Fragen Sie auch Ihren Zahnarzt nach Empfehlungen.

Fazit

Paraprobiotika sind eine vielversprechende Innovation in der Parodontaltherapie. Sie können die Ergebnisse der nicht-chirurgischen Behandlung verbessern, Entzündungen hemmen und die Mundflora ins Gleichgewicht bringen. Wenn Sie unter Parodontitis leiden, sprechen Sie Ihren Zahnarzt auf diese Option an – vielleicht ist sie auch für Sie geeignet.

Quellen

  1. Butera, A., Gallo, S., Pascadopoli, M., et al. (2022). Paraprobiotics in Non-Surgical Periodontal Therapy: Clinical and Microbiological Aspects in a 6-Month Follow-Up Domiciliary Protocol for Oral Hygiene. Microorganisms, 10(2), 337. https://doi.org/10.3390/microorganisms10020337
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