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Stellen Sie sich vor, Karies wird entdeckt, bevor sie überhaupt Schmerzen verursacht – und das ganz ohne Röntgenstrahlung. Genau das ermöglicht eine neue Technologie: die Nahinfrarotlicht-Transillumination (NILT) in Kombination mit Künstlicher Intelligenz (KI). Das Bundesgesundheitsministerium hat im Rahmen der Initiative „Zukunftsregion Digitale Gesundheit“ das Projekt KIZL gefördert, um diese Methode in Lebenswelten wie Kindergärten, Schulen und Betrieben zu erproben. Die Ergebnisse sind vielversprechend: Die KI erkannte Karies sogar genauer als Zahnärztinnen und Zahnärzte. Was das für Ihre Zahngesundheit bedeutet, erfahren Sie hier.
Was ist NILT und wie funktioniert es?
NILT steht für Nahinfrarotlicht-Transillumination. Dabei wird ein spezielles, für das Auge unsichtbares Licht durch den Zahn geleitet. Karies verändert die Lichtdurchlässigkeit des Zahnschmelzes – auf einem Bildschirm erscheinen kariöse Stellen als dunkle Flecken. Das Verfahren ist völlig strahlungsfrei, beliebig oft wiederholbar und die Geräte sind tragbar. Ideal also für den Einsatz außerhalb der Zahnarztpraxis.
Die Rolle der Künstlichen Intelligenz
Allein die NILT-Aufnahmen zu betrachten, erfordert Erfahrung. Hier kommt die KI ins Spiel: Sie analysiert die Bilder automatisch und markiert verdächtige Stellen mit hoher Genauigkeit. Im Projekt KIZL zeigten die KI-Modelle eine höhere Treffsicherheit als menschliche Zahnärzte. Das bedeutet weniger übersehene Karies und mehr Sicherheit für Sie.
„Die KI-gestützte Bildanalyse kann die Diagnostik objektiver machen und Fehldiagnosen reduzieren. Das ist ein großer Gewinn für die Patientenversorgung.“ – Univ.-Prof. Dr. Falk Schwendicke, Projektleiter KIZL
Warum Lebenswelten? – Prävention dorthin bringen, wo Menschen sind
Viele Menschen mit erhöhtem Kariesrisiko – etwa aus sozioökonomisch schwächeren Verhältnissen – gehen selten zur zahnärztlichen Vorsorge. Genau hier setzt der Lebenswelt-Ansatz an: Statt dass die Patienten in die Praxis kommen müssen, kommt die Diagnostik zu ihnen. In Kitas, Schulen oder Betrieben können mit NILT+KI ganze Gruppen untersucht werden, ohne aufwändige Termine oder Röntgenbelastung. So werden Risikogruppen erreicht, die sonst durchs Raster fallen.
Was bringt die Früherkennung?
Wird Karies früh erkannt, reicht oft eine kleine Füllung oder eine Fluoridierung aus, um den Zahn zu retten. Späte Diagnosen bedeuten dagegen oft Bohren bis zur Wurzelbehandlung oder sogar Zahnverlust. Die frühzeitige Erkennung durch NILT+KI spart nicht nur Zähne, sondern auch Kosten und Zeit.
Ist die Technik sicher?
Ja. NILT arbeitet mit Licht im nahen Infrarotbereich – das ist völlig ungefährlich, anders als Röntgenstrahlung. Deshalb kann die Untersuchung auch bei Kindern, Schwangeren oder in kurzen Abständen bedenkenlos durchgeführt werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist NILT schmerzhaft?
Nein, das Verfahren ist völlig schmerzfrei. Sie spüren nichts.
Ersetzt NILT das Röntgen?
Nicht vollständig, aber es kann viele Röntgenaufnahmen überflüssig machen, besonders bei der Früherkennung von Karies an den Zahnflächen.
Wird die KI den Zahnarzt ersetzen?
Nein. Die KI ist ein Assistenzsystem, das den Zahnarzt unterstützt, aber nicht ersetzt. Die endgültige Diagnose und Behandlung bleibt in ärztlicher Hand.
Wann wird die Methode bei mir eingesetzt?
Erste Pilotprojekte laufen bereits. Eine flächendeckende Einführung wird in den nächsten Jahren erwartet, sobald die Technik in die Praxisroutine integriert ist.
Fazit: Ein Gewinn für die Mundgesundheit
Die Kombination aus NILT und KI macht die Kariesfrüherkennung genauer, sicherer und zugänglicher. Besonders für Menschen, die bisher schwer zu erreichen waren, eröffnen sich neue Chancen für eine bessere Zahngesundheit. Das KIZL-Projekt hat gezeigt, dass die Technik funktioniert und von Erziehern, Lehrern und Schulleitungen positiv aufgenommen wird. Jetzt gilt es, die Ergebnisse in die Breite zu tragen – damit Karies keine Chance mehr hat.
Quellen
- Bundesministerium für Gesundheit. (2022). KI verbessert zahnärztlich-präventive Diagnostik in Lebenswelten (KIZL). https://www.bundesgesundheitsministerium.de/ministerium/ressortforschung/handlungsfelder/forschungsschwerpunkte/zdg/kizl
