Hoffnungslose Zähne retten: Neue Studien zeigen hohe Langzeiterfolge

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Hatten Sie schon einmal den Rat Ihres Zahnarztes gehört, einen Zahn zu ziehen, weil er kaum noch zu retten sei? Vielleicht fühlte sich das an wie ein endgültiges Urteil. Doch die Zahnmedizin hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Immer häufiger können auch Zähne mit scheinbar schlechter Prognose erhalten werden – und das über viele Jahre hinweg. Ein aktueller Kongress der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DG Paro) und der Deutschen Gesellschaft für Endodontologie (DGET) hat genau dieses Thema in den Fokus gerückt: Wie lange halten gerettete Zähne wirklich? Die Antwort ist überraschend positiv.

Endo-Paro-Läsionen: Mehr als 90 Prozent Zahnerhalt

Besonders spannend sind die Ergebnisse bei sogenannten Endo-Paro-Läsionen (EPL). Das sind Zähne, bei denen sowohl die Zahnwurzel (endodontisch) als auch der Zahnhalteapparat (parodontal) geschädigt sind. Früher galten diese Zähne oft als verloren. Doch PD Dr. Christina Tietmann aus Aachen präsentierte auf der Tagung ermutigende Daten: In einer eigenen Studie mit 39 Zähnen, die eine kombinierte Wurzelkanalbehandlung und regenerative Parodontaltherapie erhielten, lag die Überlebensrate nach bis zu sieben Jahren bei 90 Prozent. Der Knochen um die Zähne herum baute sich sogar wieder auf – im Schnitt um fast 5 Millimeter.

„Selbst stark kompromittierte Zähne mit Endo-Paro-Läsionen haben eine gute Langzeitprognose, wenn endodontische und parodontale Therapie kombiniert werden.“ – PD Dr. Christina Tietmann

Auch bei hohem Attachmentverlust: Zähne bleiben erhalten

Doch wie sieht es bei Zähnen aus, die bereits viel Zahnfleisch und Knochen verloren haben? Prof. Dr. Christian Graetz aus Kiel untersuchte genau das. In einer Langzeitstudie mit Patienten, die an aggressiver oder chronischer Parodontitis litten, zeigte sich: Selbst Zähne mit mehr als 70 Prozent Attachmentverlust (also „hoffnungslose“ Zähne) überlebten in 35 bis 45 Prozent der Fälle über 15 Jahre – vorausgesetzt, die Patienten nahmen regelmäßig an der unterstützenden Parodontaltherapie (UPT) teil. Bei Zähnen mit „fraglicher“ Prognose (50–70 Prozent Attachmentverlust) lag die Überlebensrate sogar bei 78 bis 80 Prozent.

Endodontische Behandlungen: Erfolgsquoten bis zu 98 Prozent

Auch die Endodontie, also die Wurzelkanalbehandlung, kann mit beeindruckenden Zahlen aufwarten. Prof. Dr. Christian Gernhardt aus Halle verwies auf die sogenannte Torontostudie: Nach einer einfachen Wurzelkanalbehandlung bleiben 92 bis 98 Prozent der Zähne in Funktion. Selbst bei Zähnen mit einer Entzündung an der Wurzelspitze (periapikale Läsion) heilen 74 bis 86 Prozent aus. Und auch Revisionen, also wiederholte Behandlungen, sind mit Erfolgsquoten von 92 bis 100 Prozent sehr erfolgreich. Die Qualität der Versorgung, der Zahntyp und die Art der prothetischen Versorgung sind dabei entscheidende Faktoren.

FAQ: Häufige Fragen zum Zahnerhalt

Was bedeutet „hoffnungsloser Zahn“ genau?
In der Zahnmedizin wird ein Zahn als hoffnungslos eingestuft, wenn der Knochen- und Zahnfleischverlust (Attachmentverlust) mehr als 70 Prozent beträgt. Das ist jedoch keine endgültige Diagnose, sondern eine Einschätzung – die tatsächliche Prognose kann oft besser sein.

Wie lange hält ein geretteter Zahn?
Die Studien zeigen, dass selbst schwierige Fälle 5, 10, 15 Jahre und länger halten können. Regelmäßige Kontrollen und gute Mundhygiene sind aber entscheidend.

Ist Zahnerhalt immer besser als ein Implantat?
Nicht immer, aber oft. Der eigene Zahn hat viele Vorteile: Er fühlt sich natürlicher an, erhält den Kieferknochen besser und ist meist günstiger. Ihr Zahnarzt wird gemeinsam mit Ihnen die beste Lösung finden.

Was kann ich selbst tun, um meinen Zahn zu erhalten?
Eine gründliche Mundhygiene, regelmäßige Zahnarztbesuche und die Teilnahme an einer unterstützenden Parodontaltherapie (UPT) sind das A und O.

Fazit: Mut zum Zahnerhalt lohnt sich

Die aktuellen Forschungsergebnisse sind eindeutig: Selbst Zähne mit schlechter Prognose können oft über viele Jahre erhalten werden. Die Kombination aus moderner Wurzelkanalbehandlung, Parodontaltherapie und regelmäßiger Nachsorge macht dies möglich. Wenn Ihr Zahnarzt also vorschlägt, einen Zahn zu retten, der auf den ersten Blick hoffnungslos erscheint, lohnt es sich, diese Option ernsthaft zu prüfen. Denn Ihr eigener Zahn ist meist die beste Lösung – und er kann länger halten, als Sie vielleicht denken.

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