Klimawandel und Einsamkeit: Ein unterschätztes Gesundheitsrisiko für ältere Menschen

iTero Lumina - Intraoralscanner - Hamburg Innenstadt

Foto: Gus Ruballo auf Unsplash

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie sich der Klimawandel auf unser soziales Miteinander auswirkt? Gerade für ältere Menschen kann die Kombination aus extremen Wetterereignissen und sozialer Isolation zu einem ernsthaften Gesundheitsrisiko werden. Das Climate, Aging, and Relationships (CARE) Lab der Medizinischen Hochschule Brandenburg erforscht genau diesen Zusammenhang – und die Ergebnisse sind alarmierend.

Was ist das CARE Lab?

Das CARE Lab ist eine Nachwuchsforschungsgruppe unter der Leitung von Dr. Samia C. Akhter-Khan. Es untersucht, wie sich Klimawandel und soziale Beziehungen gemeinsam auf gesundes Altern auswirken. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie Einsamkeit und sogenannte Care-Arbeit – also die Fürsorge für andere – mit klimabedingten Risiken zusammenhängen. Die Forschung ist transdisziplinär und findet in verschiedenen kulturellen, geografischen und sozioökonomischen Kontexten statt, mit besonderem Fokus auf ältere Menschen in Ländern mit geringerem Einkommen.

Klimawandel als Verstärker von Einsamkeit

Extremwetter wie Hitzewellen, Überschwemmungen oder Stürme treffen ältere Menschen besonders hart. Sie sind nicht nur körperlich anfälliger, sondern auch sozial stärker isoliert. Wenn die Hitze draußen unerträglich wird, trauen sich viele Senioren nicht mehr vor die Tür. Treffen mit Freunden oder Familie fallen aus, Einkäufe werden zur Herausforderung. Die Folge: Die soziale Isolation nimmt zu, und das Gefühl der Einsamkeit wächst.

„Unsere Forschung zeigt, dass Klimawandel und soziale Isolation sich gegenseitig verstärken. Ältere Menschen, die ohnehin wenig soziale Kontakte haben, leiden besonders unter den Folgen von Extremwetter. Das ist ein unterschätztes Gesundheitsrisiko, das wir dringend adressieren müssen.“ – Dr. Samia C. Akhter-Khan, Leiterin des CARE Labs

Der Social Relationship Expectations Framework

Um Einsamkeit besser zu verstehen, hat das CARE Lab den „Social Relationship Expectations Framework“ entwickelt. Dieses Modell erklärt, dass Einsamkeit nicht nur von der Anzahl der Kontakte abhängt, sondern vor allem von der Erwartung an soziale Beziehungen. Wenn die tatsächlichen Beziehungen nicht den Erwartungen entsprechen – etwa weil man sich nach mehr Nähe sehnt –, entsteht Einsamkeit. Der Klimawandel kann diese Diskrepanz vergrößern, indem er soziale Aktivitäten einschränkt und bestehende Netzwerke schwächt.

Was bedeutet das für die Gesundheitspolitik?

Die Erkenntnisse des CARE Labs sind nicht nur für die Wissenschaft wichtig, sondern auch für die Praxis. Sie fordern eine inklusive Klimaanpassung, die ältere Menschen und ihre sozialen Bedürfnisse berücksichtigt. Das könnte bedeuten: Hitzeschutzpläne, die auch soziale Treffpunkte schaffen, oder Nachbarschaftshilfen, die bei Extremwetter aktiv werden. Ziel ist es, die soziale Verbundenheit zu stärken und so die Gesundheit älterer Menschen zu schützen.

FAQ: Häufige Fragen zum Thema

Was versteht man unter Care-Arbeit?
Care-Arbeit umfasst alle Tätigkeiten, die der Fürsorge für andere dienen – sei es die Pflege von Angehörigen, Kinderbetreuung oder ehrenamtliche Hilfe. Das CARE Lab zeigt, dass diese Arbeit oft von älteren Menschen geleistet wird, was ihre eigene Gesundheit belasten kann.

Wie hängen Einsamkeit und Gesundheit zusammen?
Einsamkeit ist ein Risikofaktor für zahlreiche Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz und Depressionen. Sie kann sogar die Sterblichkeit erhöhen. Der Klimawandel verschärft dieses Risiko, indem er soziale Isolation fördert.

Was kann ich selbst tun?
Achten Sie auf ältere Nachbarn oder Angehörige, besonders bei Extremwetter. Bieten Sie Hilfe an – sei es beim Einkaufen oder einfach für ein Gespräch. Kleine Gesten der Verbundenheit können viel bewirken.

Fazit

Die Forschung des CARE Labs macht deutlich: Klimawandel und Einsamkeit sind keine getrennten Probleme. Sie beeinflussen sich gegenseitig und stellen besonders für ältere Menschen ein hohes Gesundheitsrisiko dar. Um gesundes Altern zu fördern, müssen wir sowohl den Klimaschutz als auch die soziale Teilhabe stärken. Die Wissenschaft liefert dafür die Grundlagen – jetzt ist die Politik gefragt, die richtigen Maßnahmen umzusetzen.

Quellen

  • Akhter-Khan, S. C., Holt-Lunstad, J., & Liu, S. (in press). Social connection and loneliness in the era of extreme weather and climate change. Nature Health.
  • Akhter-Khan, S. C., Prina, M., Wong, G. H., Mayston, R., & Li, L. (2023). Understanding and Addressing Older Adults' Loneliness: The Social Relationship Expectations Framework. Perspectives on Psychological Science, 18(4), 762–777.
  • Prina, M., Khan, N., Akhter-Khan, S. C., et al. (2024). Climate change and healthy ageing: An assessment of the impact of climate hazards on older people. Journal of Global Health, 14, 04101.
NEU: Invisalign® Hamburg