Haben Sie schon einmal von einer Zahnpasta gehört, die nur die "bösen" Bakterien bekämpft und die "guten" in Ruhe lässt? Genau das verspricht eine neue Entwicklung aus dem Fraunhofer-Institut. Forschende haben eine Substanz entdeckt, die gezielt Parodontitis-Erreger blockiert – und das ganz ohne Antibiotika oder aggressive Chemikalien. Das natürliche Gleichgewicht Ihrer Mundflora bleibt dabei erhalten. Klingt wie ein Traum? Ist es aber nicht! Ein Spin-off des Fraunhofer-Instituts hat diese Technologie bereits in Zahnpflegeprodukte umgesetzt. In diesem Artikel erfahren Sie, wie die neue Zahnpasta wirkt, warum sie besser ist als herkömmliche Mittel und was das für Ihre Mundgesundheit bedeutet.
Wie herkömmliche Mundpflege das Mikrobiom stört
Unser Mund ist die Heimat von Milliarden Bakterien – ein empfindliches Ökosystem, das als orales Mikrobiom bezeichnet wird. Die meisten dieser Keime sind harmlos oder sogar nützlich. Probleme entstehen erst, wenn sich bestimmte pathogene Bakterien wie Porphyromonas gingivalis übermäßig vermehren. Diese Erreger gelten als Hauptverursacher von Parodontitis, einer schweren Zahnfleischentzündung, die unbehandelt zu Zahnverlust führen kann.
Herkömmliche Mundspülungen oder Zahnpasten mit Alkohol oder Chlorhexidin töten zwar die schädlichen Keime ab, aber leider auch die nützlichen. Das Problem: Nach der Behandlung erholen sich die pathogenen Bakterien schneller, weil sie auf entzündetem Zahnfleisch ideale Wachstumsbedingungen vorfinden. Die gesunde Mundflora kann sich dagegen nur langsam wieder aufbauen. Das Gleichgewicht kippt – und die Entzündung kehrt oft noch stärker zurück.
Die innovative Lösung: PerioTrap – gezielte Blockade statt Massenvernichtung
Die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie IZI in Halle haben einen völlig anderen Ansatz gewählt. Sie identifizierten eine Substanz namens Guanidinoethylbenzylamino Imidazopyridine Acetat – ein echter Zungenbrecher, aber ein Geniestreich für die Mundgesundheit. Diese Substanz tötet die Parodontitis-Erreger nicht ab, sondern blockiert gezielt deren Wachstum. Die Bakterien können ihre giftigen Stoffwechselprodukte nicht mehr freisetzen und werden so unschädlich gemacht.
„Die Substanz tötet die Gingivitis-Erreger nicht ab, sondern blockiert nur deren Wachstum. Sie können ihre giftige Wirkung nicht entfalten, und die gesunden Keime können ihnen sonst verwehrte Nischen besetzen.“
– Prof. Stephan Schilling, Leiter der Fraunhofer-IZI-Außenstelle Molekulare Wirkstoffbiochemie und Therapieentwicklung
Das Besondere: Die gesunden Bakterien werden geschont und können sich sogar besser ausbreiten. So bleibt die natürliche Mundflora intakt und das Immunsystem wird gestärkt. Die Technologie wurde 2018 in das Spin-off PerioTrap Pharmaceuticals überführt, das in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IZI und dem Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS eine Mikrobiom-Zahnpasta entwickelte.
Was steckt in der neuen Zahnpasta?
Die Mikrobiom-Zahnpasta von PerioTrap ist mehr als nur ein Anti-Parodontitis-Mittel. Sie enthält neben dem neuartigen Wirkstoff auch Putzkörper und Fluorid zur Kariesprophylaxe – also alles, was Sie von einer guten Zahnpasta erwarten. Dr. Mirko Buchholz, einer der Gründer des Spin-offs, erklärt: „Das Produkt dient der Vorbeugung von Parodontitis. Wie eine normale Zahnpasta enthält es aber auch Putzstoffe und Fluorid zur Vorbeugung von Karies.“
Zusätzlich wurde ein Pflege-Gel für Zahnarztpraxen entwickelt, das nach einer professionellen Zahnreinigung aufgetragen wird. Es blockiert pathogene Bakterien, stabilisiert die Mundflora und hält das Zahnfleisch gesund. Die PerioTrap-Technologie soll künftig auch in anderen Produkten zum Einsatz kommen.
Fazit: Ein Meilenstein für die Parodontitis-Prophylaxe
Die neue Zahnpasta ist ein Paradebeispiel dafür, wie moderne Forschung das orale Mikrobiom schützen kann, anstatt es zu zerstören. Für Patienten mit Parodontitis-Risiko oder chronischen Zahnfleischproblemen könnte sie eine echte Alternative zu herkömmlichen Produkten sein. Fragen Sie bei Ihrem nächsten Zahnarztbesuch doch einfach nach, ob die PerioTrap-Produkte bereits erhältlich sind – oder halten Sie in Ihrer Apotheke Ausschau.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zu herkömmlichen Anti-Plaque-Zahnpasten?
Herkömmliche Zahnpasten wirken oft unspezifisch und töten auch nützliche Bakterien ab. Die PerioTrap-Zahnpasta blockiert nur die schädlichen Parodontitis-Erreger und erhält das natürliche Gleichgewicht der Mundflora.
Kann die Zahnpasta auch bei bestehender Parodontitis helfen?
Die Zahnpasta ist primär zur Vorbeugung gedacht. Bei bereits bestehender Parodontitis sollte eine professionelle Zahnreinigung und gegebenenfalls eine Parodontaltherapie erfolgen. Das Pflege-Gel kann unterstützend eingesetzt werden.
Ist die Zahnpasta für Kinder geeignet?
Da die Studienlage zur Anwendung bei Kindern noch nicht umfassend ist, sollte vor der Verwendung bei Kindern der Zahnarzt konsultiert werden.
Enthält die Zahnpasta Fluorid?
Ja, die Zahnpasta enthält Fluorid zur Kariesprophylaxe, wie von Zahnärzten empfohlen.
Glossar – Fachbegriffe einfach erklärt
- Mikrobiom: Die Gesamtheit aller Mikroorganismen (Bakterien, Pilze, Viren) in einem bestimmten Lebensraum, z.B. im Mund.
- Parodontitis: Eine bakterielle Entzündung des Zahnhalteapparats, die unbehandelt zu Zahnverlust führen kann.
- Porphyromonas gingivalis: Ein Hauptverursacher der Parodontitis, ein sogenannter „Roter Komplex“-Keim.
- Chlorhexidin: Ein antibakterieller Wirkstoff, der in Mundspülungen verwendet wird, aber auch nützliche Bakterien abtötet.
- Fluorid: Ein Mineral, das den Zahnschmelz härtet und Karies vorbeugt.
Quellen
- Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI. (2026). Zahnpasta stoppt Parodontitis-Erreger. Mgo dental. Abgerufen von https://mgo-dental.de/news/zahntechnik/zahnpasta-stoppt-parodontitis-erreger
