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In einer alternden Gesellschaft wird die patientenzentrierte Versorgung immer wichtiger. Die Medizinische Hochschule Brandenburg (MHB) hat sich diesem Thema mit einer eigenen integrierten Arbeitsgruppe (IAG) „Patientenzentrierung und Gesundheitskompetenz“ verschrieben. In diesem Artikel erfahren Sie, was hinter den Begriffen steckt und wie die Forschung der MHB Ihnen als Patient helfen kann.
Was bedeutet Patientenzentrierung?
Patientenzentrierung bedeutet, dass Sie als Patient im Mittelpunkt der Gesundheitsversorgung stehen – nicht die Abläufe der Klinik oder die Wünsche des Arztes. Es geht darum, Ihre Bedürfnisse, Werte und Vorlieben zu berücksichtigen und Sie aktiv in Entscheidungen einzubeziehen. Die MHB hat diesen Ansatz in ihrem Forschungsschwerpunkt „Patientenzentrierte Gesundheitsversorgung einer alternden Bevölkerung in einem Flächenland“ verankert. Besonders in Brandenburg, wo rund ein Viertel der Einwohner 65 Jahre oder älter ist, gewinnt dieses Konzept an Bedeutung. Ältere Menschen leiden häufiger an chronischen Erkrankungen und sind intensiver mit dem Gesundheitssystem in Kontakt – umso wichtiger ist es, dass die Versorgung auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist.
Gesundheitskompetenz: Wissen, das schützt
Gesundheitskompetenz (englisch: Health Literacy) beschreibt die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und für Entscheidungen zu nutzen. Eine hohe Gesundheitskompetenz hilft Ihnen, Krankheiten vorzubeugen, Behandlungen besser zu verstehen und selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen. Die MHB forscht in mehreren Projekten daran, wie man die Gesundheitskompetenz stärken kann – etwa durch bessere Aufklärung über Sepsis (Blutvergiftung) oder durch digitale Tools, die den Austausch mit Ärzten erleichtern.
„Patientenzentrierung ist das Gebot der Stunde. Wir müssen Modelle entwickeln, die den Nutzen für die Patienten in den Mittelpunkt stellen und sie befähigen, informierte Entscheidungen zu treffen.“ – Prof. Dr. Edmund Neugebauer, Seniorprofessor an der MHB
Forschungsprojekte der MHB im Überblick
Die IAG „Patientenzentrierung und Gesundheitskompetenz“ hat seit 2019 zahlreiche Projekte auf den Weg gebracht. Hier eine Auswahl:
„Digitalisier mich!“ – Dieses Projekt fördert die Digitalisierung in Haus- und Facharztpraxen im Kreis Ostprignitz-Ruppin. Ziel ist es, die Interaktion zwischen Arzt und Patient durch Online-Terminbuchung, Videosprechstunden und Praxis-Websites zu verbessern. Gleichzeitig werden Medizinstudierende in digitalen Kompetenzen geschult.
EvaZweit – Die Evaluation der Zweitmeinungsrichtlinie untersucht, ob und wie Zweitmeinungen vor Operationen wie Mandelentfernungen oder Gebärmutterentfernungen Patienten helfen, unnötige Eingriffe zu vermeiden. Die Ergebnisse fließen in die Weiterentwicklung der Richtlinie ein.
GeKom – Dieses Projekt macht die Kliniken des Universitätsklinikumsverbundes der MHB zu „gesundheitskompetenten Einrichtungen“. Durch Gespräche mit Mitarbeitern und Patienten werden Handlungsoptionen entwickelt, um den Zugang zu Informationen und die Selbstbestimmung der Patienten zu verbessern.
SepWiss – Sepsis ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. In diesem Projekt werden Kommunikationsstrategien entwickelt, um Risikogruppen über Frühwarnsymptome und Impfschutz aufzuklären. Die Materialien werden in Berlin und Brandenburg getestet.
Wiss-Inno – Eine systematische Evaluation des Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundesausschuss mit Fokus auf Patientenbeteiligung und regionale Innovationspotenziale in Berlin-Brandenburg.
FAQ: Häufige Fragen zu Patientenzentrierung und Gesundheitskompetenz
Was versteht man unter „Gesundheitskompetenz“?
Gesundheitskompetenz ist die Fähigkeit, mit Gesundheitsinformationen umzugehen – sie zu finden, zu verstehen und für die eigene Gesundheit zu nutzen. Dazu gehört auch, Ärzten Fragen zu stellen und Behandlungsoptionen abzuwägen.
Wie kann ich meine Gesundheitskompetenz verbessern?
Sie können Ihre Gesundheitskompetenz stärken, indem Sie gezielt nach vertrauenswürdigen Quellen suchen (z. B. von Krankenkassen oder Patientenorganisationen), Fragen notieren und im Arztgespräch nachfragen, und sich über Ihre Erkrankung informieren.
Was bringt mir eine Zweitmeinung?
Eine Zweitmeinung kann helfen, eine medizinische Entscheidung abzusichern – besonders vor geplanten Operationen. Sie erhalten eine unabhängige Einschätzung, die Ihnen Sicherheit gibt oder alternative Behandlungen aufzeigt.
Wie kann Digitalisierung die Patientenversorgung verbessern?
Digitale Tools wie Videosprechstunden oder Online-Terminbuchung sparen Zeit und erleichtern den Zugang zur Versorgung – besonders für Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder in ländlichen Regionen.
Fazit: Forschung für Ihre Gesundheit
Die MHB zeigt mit ihrer Arbeit, dass Patientenzentrierung und Gesundheitskompetenz keine Schlagworte sind, sondern konkrete Projekte, die Ihnen als Patient direkt zugutekommen. Ob durch bessere Aufklärung, digitale Angebote oder die Möglichkeit einer Zweitmeinung – die Forschung der MHB trägt dazu bei, dass Sie informierte Entscheidungen treffen und Ihre Gesundheit aktiv mitgestalten können. Bleiben Sie neugierig und nutzen Sie die Angebote – Ihre Gesundheit wird es Ihnen danken.
Quellen
- Amt für Statistik Berlin-Brandenburg. Ergebnisse des Mikrozensus im Land Brandenburg 2021 – Bevölkerung, Erwerbstätigkeit, Haushalte, Familien, Lebensformen, Potsdam, 2022.
- Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz. Daten und Fakten zur Pflege im Land Brandenburg: Analyse der Pflegestatistik 2019, Potsdam, 2021.
- MHB Fontane. Integrierte Arbeitsgruppe „Patientenzentrierung und Gesundheitskompetenz“. https://www.mhb-fontane.de/de/patientenzentrierung-und-gesundheitskompetenz
