Zahnbehandlung und schlechte Mundhygiene: Neue Studie bestätigt erhöhtes Endokarditis-Risiko

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Haben Sie gewusst, dass Ihre Mundgesundheit direkten Einfluss auf Ihr Herz haben kann? Eine neue Studie aus Deutschland liefert jetzt alarmierende Erkenntnisse: Patienten mit schlechtem Zahnstatus oder nach einer Zahnbehandlung haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an einer infektiösen Endokarditis (Herzklappenentzündung) zu erkranken. Besonders das Bakterium Streptococcus mitis, das natürlicherweise in unserem Mund vorkommt, steht im Verdacht, diese gefährliche Infektion auszulösen.

Die Forscher des Brandenburg Endocarditis Registry (B.E.R.) haben die Daten von 530 Patienten mit Herzklappenentzündung ausgewertet. Das Ergebnis ist eindeutig: Sowohl zahnärztliche Eingriffe als auch eine vernachlässigte Mundhygiene können Bakterien in die Blutbahn schleusen und so zu einer lebensbedrohlichen Entzündung der Herzklappen führen.

Was ist infektiöse Endokarditis?

Infektiöse Endokarditis ist eine Entzündung der Herzinnenhaut, die meist die Herzklappen betrifft. Sie wird durch Bakterien verursacht, die über die Blutbahn ins Herz gelangen. Die Erkrankung ist selten, aber sehr gefährlich: Weltweit sterben jährlich etwa 66.000 Menschen daran. Besonders gefährdet sind Menschen mit künstlichen Herzklappen, angeborenen Herzfehlern oder geschwächtem Immunsystem.

Die Studie im Detail: Zahnbehandlung und schlechter Zahnstatus als Risikofaktoren

Die Wissenschaftler untersuchten zwei Patientengruppen: 72 Patienten, die innerhalb von drei Monaten vor der Endokarditis-Diagnose eine Zahnbehandlung hatten (TREAT-Gruppe), und 55 Patienten mit einem desolaten Zahnstatus (DESOLATE-Gruppe). Beide Gruppen verglichen sie mit Patienten, die weder eine Zahnbehandlung noch schlechte Zähne hatten (Kontrollgruppe).

Die Ergebnisse sind eindeutig:

  • In der TREAT-Gruppe wurde bei 26,9 % der Patienten Streptococcus mitis in der Blutkultur nachgewiesen – in der Kontrollgruppe nur bei 3,5 %.
  • In der DESOLATE-Gruppe lag der Anteil bei 27,9 %, ebenfalls signifikant höher als in der Kontrollgruppe (4,9 %).
  • Auch andere Streptokokken waren in beiden Risikogruppen deutlich häufiger.

„Unsere Studie zeigt klar, dass Bakteriämien mit dem typischen Mundkeim Streptococcus mitis mit Zahnbehandlungen und schlechtem Zahnstatus assoziiert sind und eine infektiöse Endokarditis verursachen können“, erklärt Prof. Dr. Johannes Maximillian Albes, Leiter der Herzchirurgie am Herzzentrum Brandenburg.

Warum ist Streptococcus mitis so gefährlich?

Streptococcus mitis ist ein Bakterium, das normalerweise harmlos in unserem Mund lebt. Es ist Teil des Zahnbelags (Plaque) und verursacht dort keine Probleme. Gelangt es jedoch in die Blutbahn – etwa durch eine Zahnbehandlung oder entzündetes Zahnfleisch – kann es sich an Herzklappen anheften und dort eine schwere Entzündung auslösen.

Besonders tückisch: Schon alltägliche Aktivitäten wie Zähneputzen oder Kauen können bei Menschen mit Zahnfleischentzündungen (Parodontitis) Bakterien in die Blutbahn schleusen. Bei gesunden Menschen ist das Immunsystem in der Regel stark genug, diese Bakterien unschädlich zu machen. Bei Risikopatienten kann jedoch eine Herzklappenentzündung entstehen.

Wer ist besonders gefährdet?

Die Studie zeigt, dass bestimmte Patientengruppen ein erhöhtes Risiko haben:

  • Menschen mit künstlichen Herzklappen
  • Patienten mit Herzschrittmachern oder Defibrillatoren
  • Dialysepatienten
  • Menschen mit geschwächtem Immunsystem
  • Personen mit Alkoholabhängigkeit (in der DESOLATE-Gruppe war der Anteil der Alkoholabhängigen mit 47,8 % besonders hoch)

Was bedeutet das für die Praxis?

Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer guten Mundhygiene und regelmäßiger Zahnarztbesuche – besonders für Risikopatienten. Aber auch bei Zahnbehandlungen ist Vorsicht geboten: Die aktuellen Leitlinien empfehlen eine Antibiotikaprophylaxe vor bestimmten zahnärztlichen Eingriffen bei Hochrisikopatienten. Dazu gehören unter anderem Zahnentfernungen, Wurzelbehandlungen und Eingriffe am Zahnfleisch.

„Unsere Studie legt nahe, dass bei Zahnbehandlungen möglicherweise nicht immer eine ausreichende Endokarditis-Prophylaxe durchgeführt wird“, warnt Prof. Albes. „Und bei Patienten mit schlechter Mundhygiene kann die Bakteriämie sogar spontan auftreten. Beide Situationen erfordern neue Strategien, um solche schwerwiegenden Folgen zu vermeiden.“

FAQ: Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Antibiotikaprophylaxe?
Eine Antibiotikaprophylaxe ist die vorbeugende Gabe von Antibiotika vor einem medizinischen Eingriff, um Infektionen zu verhindern. Bei Risikopatienten wird sie vor bestimmten Zahnbehandlungen empfohlen.

Muss ich mir Sorgen machen, wenn ich gesund bin?
Bei gesunden Menschen ist das Risiko sehr gering. Allerdings sollten auch Sie auf eine gute Mundhygiene achten, da Zahnfleischentzündungen nicht nur das Endokarditis-Risiko, sondern auch das Risiko für andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen können.

Wie erkenne ich einen schlechten Zahnstatus?
Ein desolater Zahnstatus zeigt sich durch sichtbare Karies, faulige Zahnreste, geschwollenes oder blutendes Zahnfleisch und lockere Zähne. Bei Verdacht sollten Sie einen Zahnarzt aufsuchen.

Welche Zahnbehandlungen gelten als risikoreich?
Als risikoreich gelten Eingriffe, bei denen das Zahnfleisch verletzt wird, wie Zahnentfernungen, Wurzelbehandlungen, Zahnimplantationen oder die Behandlung von tiefen Zahnfleischtaschen.

Fazit: Mundgesundheit schützt das Herz

Die Studie des Brandenburg Endocarditis Registry liefert wichtige Erkenntnisse für die Prävention der infektiösen Endokarditis. Sie zeigt, dass sowohl Zahnbehandlungen als auch ein schlechter Zahnstatus das Risiko für diese gefährliche Erkrankung erhöhen. Für Risikopatienten ist eine konsequente Antibiotikaprophylaxe vor Zahnbehandlungen unerlässlich. Aber auch eine gute Mundhygiene und regelmäßige Zahnarztbesuche können dazu beitragen, das Risiko zu senken.

Wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören, sprechen Sie mit Ihrem Zahnarzt oder Kardiologen über die notwendigen Vorsorgemaßnahmen. Denn: Ein gesunder Mund schützt nicht nur Ihre Zähne, sondern auch Ihr Herz.

Quellen

  • Ostovar, R., Necaev, A.-M., Schröter, F., Zinab, F.S., Dörr, G., Schmalz, G., & Albes, J.M. (2025). Infectious Endocarditis Is Associated with Dental Treatment or Poor Dental Status—Results from the Brandenburg Endocarditis Registry (B.E.R.). Journal of Clinical Medicine, 14(8), 2784. https://doi.org/10.3390/jcm14082784
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