Zahnbehandlung und schlechte Mundhygiene: Neue Studie bestätigt erhöhtes Endokarditis-Risiko

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Foto: Harold Hizon auf Unsplash

Herzklappenentzündung, medizinisch infektiöse Endokarditis genannt, ist eine ernste Erkrankung, die oft durch Bakterien im Blut ausgelöst wird. Eine neue Studie aus Brandenburg zeigt nun: Sowohl Zahnbehandlungen als auch eine vernachlässigte Mundhygiene können das Risiko deutlich steigern. Wir erklären die Hintergründe und was Sie für Ihre Gesundheit tun können.

Was ist infektiöse Endokarditis?

Bei einer infektiösen Endokarditis entzündet sich die Innenhaut des Herzens, meist an den Herzklappen. Auslöser sind Bakterien, die über die Blutbahn ins Herz gelangen. Unbehandelt kann die Erkrankung lebensbedrohlich sein. Die neue Studie des Brandenburg Endocarditis Registry (B.E.R.) hat nun genauer untersucht, wie Zahnbehandlungen und ein schlechter Zahnstatus mit dieser Erkrankung zusammenhängen.

Die Studie: Zahnbehandlung und desolater Zahnstatus im Fokus

Die Forscher analysierten Daten von 530 Patienten mit infektiöser Endokarditis. Dabei identifizierten sie zwei Gruppen: Patienten, die innerhalb von drei Monaten vor der Diagnose eine Zahnbehandlung hatten (TREAT-Gruppe), und Patienten mit einem desolaten Zahnstatus (DESOLATE-Gruppe). Zum Vergleich diente eine Kontrollgruppe ohne diese Merkmale.

Das Ergebnis: In der TREAT-Gruppe wurde bei 13,6 % der Patienten ein Zusammenhang mit einer vorherigen Zahnbehandlung festgestellt. In der DESOLATE-Gruppe waren es 10,4 %. Besonders auffällig: Das Bakterium Streptococcus mitis – ein typischer Bewohner der Mundhöhle – wurde in beiden Gruppen signifikant häufiger nachgewiesen als in der Kontrollgruppe.

Streptococcus mitis: Das gefährliche Mundbakterium

Streptococcus mitis ist ein harmloser Mitbewohner im Mund, solange er dort bleibt. Gelangt er jedoch ins Blut, kann er sich an Herzklappen anheften und eine Entzündung auslösen. Die Studie zeigt, dass dieses Bakterium bei Patienten mit Zahnbehandlung oder schlechtem Zahnstatus besonders oft als Auslöser der Endokarditis gefunden wurde.

„Unsere Ergebnisse belegen, dass Bakteriämien mit Streptococcus mitis sowohl durch Zahnbehandlungen als auch durch eine schlechte Mundhygiene ausgelöst werden können. Dies unterstreicht die Bedeutung einer konsequenten Antibiotikaprophylaxe bei Risikopatienten und einer verbesserten Mundpflege.“ – Prof. Dr. Johannes Maximilian Albes, Leiter der Studie

Wer ist besonders gefährdet?

Nicht jeder mit einer Zahnbehandlung oder schlechten Zähnen bekommt automatisch eine Endokarditis. Das Risiko ist besonders hoch bei:

  • Menschen mit künstlichen Herzklappen
  • Patienten mit angeborenen Herzfehlern
  • Personen mit Herzschrittmachern oder Defibrillatoren
  • Dialysepatienten und Menschen mit geschwächtem Immunsystem

Die Studie zeigte auch, dass Patienten mit desolatem Zahnstatus häufiger Alkohol missbrauchten – ein Hinweis auf einen allgemein riskanteren Lebensstil.

Was bedeutet das für Sie?

Die gute Nachricht: Sie können aktiv etwas tun! Eine gute Mundhygiene und regelmäßige Zahnarztbesuche sind der erste Schritt, um das Risiko zu senken. Wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören, sollten Sie vor Zahnbehandlungen mit Ihrem Arzt über eine Antibiotikaprophylaxe sprechen. Die aktuellen Leitlinien empfehlen diese bei bestimmten Eingriffen wie Zahnentfernungen oder Zahnfleischbehandlungen.

FAQ: Häufige Fragen zur Endokarditis und Zahnpflege

Was ist eine Antibiotikaprophylaxe?
Dabei wird vor einem zahnärztlichen Eingriff ein Antibiotikum eingenommen, um Bakterien im Blut zu verhindern. Dies ist vor allem für Risikopatienten wichtig.

Kann ich Endokarditis durch gute Mundhygiene verhindern?
Ja! Regelmäßiges Zähneputzen, Zahnseide und Kontrollen beim Zahnarzt reduzieren die Bakterienzahl im Mund und senken das Risiko einer Bakteriämie.

Sind alle Zahnbehandlungen gefährlich?
Nein. Die größte Gefahr geht von Eingriffen aus, die das Zahnfleisch verletzen, wie Zahnentfernungen oder Wurzelbehandlungen. Eine professionelle Zahnreinigung wird aktuell nicht als Hochrisiko-Eingriff eingestuft, aber auch hier kann es zu Bakteriämien kommen.

Was ist Streptococcus mitis?
Ein Bakterium, das natürlicherweise im Mund vorkommt. Bei gesunden Menschen ist es harmlos, kann aber bei Herzklappenfehlern oder nach Operationen gefährlich werden.

Wie erkenne ich eine Endokarditis?
Symptome sind Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit, Nachtschweiß, Gewichtsverlust und manchmal Herzgeräusche. Bei Verdacht sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

Fazit: Mundgesundheit schützt das Herz

Die Studie des Brandenburg Endocarditis Registry macht deutlich: Ein gesunder Mund ist nicht nur für die Zähne wichtig, sondern kann lebensrettend sein. Wer zu Risikogruppen gehört, sollte vor Zahnbehandlungen unbedingt eine Antibiotikaprophylaxe in Erwägung ziehen. Und für alle gilt: Putzen Sie Ihre Zähne gründlich und gehen Sie regelmäßig zur Kontrolle – Ihr Herz wird es Ihnen danken.

Quellen

  • Ostovar R, Necaev A-M, Schröter F, et al. Infectious Endocarditis Is Associated with Dental Treatment or Poor Dental Status—Results from the Brandenburg Endocarditis Registry (B.E.R.). J. Clin. Med. 2025, 14(8), 2784. https://doi.org/10.3390/jcm14082784
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