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Hatten Sie schon einmal den Rat gehört, ein Zahn sei „hoffnungslos“ und müsse gezogen werden? Vielleicht haben Sie sich dann gefragt, ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt, ihn zu retten. Die gute Nachricht: Oft ist das möglich! Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass selbst stark geschädigte Zähne durch eine Kombination aus Parodontitisbehandlung und Wurzelkanaltherapie über viele Jahre erhalten bleiben können. Auf der Gemeinschaftstagung der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DG Paro) und der Deutschen Gesellschaft für Endodontologie (DGET) im März 2026 wurden beeindruckende Langzeitdaten vorgestellt. Wir fassen für Sie zusammen, was das für Ihre Zahngesundheit bedeutet.
Endo-Paro-Läsionen: Wenn Zahnfleisch und Zahnmark betroffen sind
Eine besonders knifflige Situation sind sogenannte Endo-Paro-Läsionen (EPL). Dabei sind sowohl das Zahnmark (Endodont) als auch der Zahnhalteapparat (Parodont) betroffen. Häufig wird solchen Zähnen eine schlechte Prognose gestellt. Doch die Wissenschaftlerin PD Dr. Christina Tietmann aus Aachen präsentierte ermutigende Zahlen: In einer eigenen Studie mit 39 stark betroffenen Zähnen (Grad III) lag die Überlebensrate nach bis zu sieben Jahren bei 90 Prozent. Der Knochen um den Zahn herum gewann sogar fast 5 Millimeter wieder dazu. Entscheidend für den Erfolg ist die Reihenfolge der Behandlung: Zuerst die Wurzelkanalbehandlung, dann die regenerative Parodontaltherapie. Der zeitliche Abstand zwischen den Behandlungen spielt dabei keine Rolle.
„Die Kombination aus endodontischer und regenerativer parodontaler Therapie kann selbst stark kompromittierte Zähne mit Endo-Paro-Läsionen langfristig erhalten.“ – PD Dr. Christina Tietmann
Parodontitis: Auch bei hohem Attachmentverlust lohnt sich der Erhalt
Prof. Dr. Christian Graetz aus Kiel zeigte, dass auch Zähne mit mehr als 70 Prozent Attachmentverlust – also sehr weit fortgeschrittener Parodontitis – eine gute Chance auf Erhalt haben. In einer Langzeitstudie über 15 Jahre überlebten 78 Prozent der Zähne mit fraglicher Prognose und sogar 60 Prozent der als „hoffnungslos“ eingestuften Zähne. Voraussetzung ist eine systematische Parodontitistherapie und regelmäßige unterstützende Parodontaltherapie (UPT). Allerdings steigt das Verlustrisiko nach etwa 17 Jahren an – die genauen Gründe sind noch unklar. Faktoren wie Rauchen, hohes Alter und die Zahnart (Backenzähne sind stärker gefährdet) spielen ebenfalls eine Rolle.
Wurzelkanalbehandlung: Hohe Erfolgsquoten auch bei Revisionen
Prof. Dr. Christian Gernhardt aus Halle berichtete von Erfolgsraten von über 90 Prozent bei Erstwurzelkanalbehandlungen. Selbst bei Revisionen, also einer erneuten Behandlung eines bereits wurzelbehandelten Zahns, liegen die Erfolgsquoten zwischen 85 und 93 Prozent. Wichtig für den Erfolg sind die Qualität der Behandlung, die Größe des Defekts und der Zahntyp. Ob die Behandlung in einer oder mehreren Sitzungen erfolgt, hat keinen Einfluss auf das Ergebnis.
FAQ: Häufige Fragen zum Zahnerhalt
F: Was bedeutet „Endo-Paro-Läsion“?
A: Eine Endo-Paro-Läsion ist eine Verbindung zwischen einer Entzündung des Zahnmarks (Pulpa) und des Zahnhalteapparats (Zahnfleisch und Knochen). Sie entsteht oft durch eine tiefe Karies oder eine fortgeschrittene Parodontitis.
F: Wie lange halten gerettete „hoffnungslose“ Zähne?
A: Studien zeigen Überlebensraten von 60 bis 90 Prozent über 5 bis 15 Jahre, abhängig vom Schweregrad und der regelmäßigen Nachsorge.
F: Ist Zahnerhalt immer besser als ein Implantat?
A: Nicht immer, aber oft. Der eigene Zahn hat eine natürliche Stoßdämpfung und ein feines Tastgefühl. Zudem ist der Erhalt meist kostengünstiger und weniger invasiv als ein Implantat.
F: Was kann ich selbst tun, um meinen Zahn zu retten?
A: Eine gute Mundhygiene, regelmäßige Zahnarztbesuche und die Einhaltung der unterstützenden Parodontaltherapie (UPT) sind entscheidend.
Fazit: Mut zum Zahnerhalt – die Forschung gibt Recht
Die vorgestellten Studien machen Mut: Auch Zähne, die auf den ersten Blick verloren scheinen, können mit modernen Methoden oft über viele Jahre erhalten werden. Die Erfolgsraten sind hoch, wenn die Behandlung systematisch erfolgt und Sie als Patient regelmäßig zur Nachsorge kommen. Sprechen Sie Ihren Zahnarzt ruhig auf die Möglichkeiten an – vielleicht lässt sich Ihr Zahn doch noch retten!
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