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Wenn wir an den Klimawandel denken, haben wir oft Bilder von schmelzenden Gletschern oder Überschwemmungen im Kopf. Dass die steigenden Temperaturen aber auch direkte Auswirkungen auf unsere sozialen Beziehungen und die Gesundheit im Alter haben können, ist weniger bekannt. Das Climate, Aging, and Relationships (CARE) Lab der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB Fontane) untersucht genau diese Zusammenhänge. Die Forschungsergebnisse sind alarmierend: Einsamkeit und klimabedingte Risiken verstärken sich gegenseitig und werden zu einer wachsenden Gefahr für ältere Menschen weltweit.
Warum der Klimawandel ältere Menschen besonders trifft
Ältere Menschen sind durch Hitzewellen, Überschwemmungen und andere Extremwetterereignisse nicht nur körperlich stärker gefährdet, sondern auch sozial. Denn steigende Temperaturen können dazu führen, dass sich Menschen aus Angst vor Hitze oder Luftverschmutzung in ihre Wohnungen zurückziehen. Soziale Kontakte werden seltener, die Isolation nimmt zu. Gleichzeitig sind ältere Menschen oft auf Hilfe angewiesen – sei es beim Einkauf, bei Arztbesuchen oder einfach bei der Bewältigung des Alltags. Wenn diese Unterstützung durch klimabedingte Ereignisse wegfällt, steigt das Risiko für gesundheitliche Probleme wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder psychische Belastungen.
Einsamkeit als unterschätztes Gesundheitsrisiko
„Einsamkeit ist mehr als ein unangenehmes Gefühl – sie ist ein ernstzunehmender Risikofaktor für die Gesundheit“, erklärt Dr. Samia C. Akhter-Khan, Leiterin der CARE-Nachwuchsgruppe. „Unsere Forschung zeigt, dass soziale Isolation und klimabedingte Risiken sich gegenseitig verstärken. Wer einsam ist, hat oft weniger Ressourcen, um sich auf Extremwetter vorzubereiten oder Hilfe zu holen.“
Das CARE Lab hat das sogenannte Social Relationship Expectations Framework entwickelt, das erklärt, warum viele Einsamkeits-Interventionen bisher wenig erfolgreich waren. Der Schlüssel liegt in den Erwartungen, die wir an soziale Beziehungen haben – und wie diese durch äußere Umstände wie den Klimawandel beeinflusst werden. Ältere Menschen in Ländern mit geringerem Einkommen sind dabei besonders betroffen, wie internationale Studien des Teams zeigen.
Was wir von der Forschung lernen können
Die Arbeit des CARE Labs liefert wichtige Erkenntnisse für die Gesundheitspolitik. Denn wenn wir verstehen, wie Klimawandel und soziale Beziehungen zusammenhängen, können wir gezielte Maßnahmen entwickeln – von Nachbarschaftshilfen bei Hitzeperioden bis zu Programmen, die soziale Kontakte fördern. „Inklusive Klimaanpassung bedeutet, auch die sozialen Bedürfnisse älterer Menschen zu berücksichtigen“, betont Dr. Akhter-Khan. „Care-Arbeit, also die Sorge füreinander, wird in der Klimadebatte oft übersehen – dabei ist sie ein Schlüssel für gesundes Altern.“
Fazit: Handeln für eine verbundene Zukunft
Die Forschung des CARE Labs macht deutlich: Klimawandel und Einsamkeit sind keine getrennten Probleme, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Wer gesund altern möchte, sollte daher nicht nur auf körperliche Fitness achten, sondern auch auf stabile soziale Beziehungen und eine Umgebung, die vor den Folgen des Klimawandels schützt. Die Politik ist gefordert, Strukturen zu schaffen, die beides fördern. Jeder Einzelne kann aber auch im Kleinen etwas tun: Nachbarn kennenlernen, sich bei Hitze um ältere Menschen kümmern und das Bewusstsein für das Thema schärfen.
FAQ
Was ist das CARE Lab?
Das Climate, Aging, and Relationships (CARE) Lab an der MHB Fontane erforscht, wie Klimawandel und soziale Beziehungen gemeinsam das gesunde Altern beeinflussen.
Warum sind ältere Menschen besonders vom Klimawandel betroffen?
Ältere Menschen sind körperlich anfälliger für Hitze und andere Extremwetter, gleichzeitig sind sie oft sozial isolierter und haben weniger Unterstützung.
Was ist das Social Relationship Expectations Framework?
Ein Modell, das erklärt, wie unsere Erwartungen an soziale Beziehungen Einsamkeit beeinflussen – und wie äußere Faktoren wie der Klimawandel diese Erwartungen verändern können.
Welche Rolle spielt Care-Arbeit?
Care-Arbeit – also die Sorge für andere – wird in der Klimadebatte oft vernachlässigt, ist aber entscheidend für die Gesundheit älterer Menschen und die Anpassung an den Klimawandel.
Fachbegriffe erklärt
- Care-Arbeit: Bezahlte oder unbezahlte Tätigkeiten, die der Fürsorge für andere dienen, z. B. Pflege, Kinderbetreuung oder Nachbarschaftshilfe.
- Soziale Isolation: Objektiver Mangel an sozialen Kontakten, im Gegensatz zum subjektiven Gefühl der Einsamkeit.
- Klimaanpassung: Maßnahmen, die ergriffen werden, um die negativen Folgen des Klimawandels zu mildern, z. B. Hitzeschutzpläne.
Quellen
- MHB Fontane. (o. D.). CARE – Climate, Aging, and Relationships Lab. https://www.mhb-fontane.de/de/care
- Akhter-Khan, S. C., Holt-Lunstad, J., & Liu, S. (in press). Social connection and loneliness in the era of extreme weather and climate change. Nature Health.
- Akhter-Khan, S. C., Prina, M., Wong, G. H., Mayston, R., & Li, L. (2023). Understanding and Addressing Older Adults' Loneliness: The Social Relationship Expectations Framework. Perspectives on Psychological Science, 18(4), 762–777. https://doi.org/10.1177/17456916221127218
- Prina, M., Khan, N., Akhter-Khan, S. C., et al. (2024). Climate change and healthy ageing: An assessment of the impact of climate hazards on older people. Journal of Global Health, 14, 04101. https://doi.org/10.7189/jogh.14.04101
