Zahnbehandlung und schlechte Mundhygiene: Neue Studie bestätigt erhöhtes Endokarditis-Risiko

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Foto: Harold Hizon auf Unsplash

Haben Sie gewusst, dass ein einfacher Zahnarztbesuch oder sogar eine unzureichende Mundhygiene das Risiko für eine schwere Herzerkrankung erhöhen kann? Eine neue Studie des Brandenburg Endocarditis Registry (B.E.R.) hat einen deutlichen Zusammenhang zwischen Zahnbehandlungen, schlechtem Zahnstatus und der Entstehung einer infektiösen Endokarditis – einer lebensbedrohlichen Entzündung der Herzinnenhaut – gefunden. Wir erklären Ihnen die wichtigsten Ergebnisse und was Sie für Ihre Herzgesundheit tun können.

Was ist infektiöse Endokarditis?

Infektiöse Endokarditis (IE) ist eine Entzündung der Herzinnenhaut, die meist durch Bakterien verursacht wird. Diese Bakterien gelangen über die Blutbahn ins Herz und setzen sich dort auf den Herzklappen oder anderen Herzstrukturen fest. Besonders gefährdet sind Menschen mit künstlichen Herzklappen, angeborenen Herzfehlern oder geschwächten Immunsystem. Die Erkrankung kann zu schweren Komplikationen wie Herzversagen oder Schlaganfall führen und ist ohne Behandlung oft tödlich.

Die Studie: Zahnbehandlung und schlechter Zahnstatus als Risikofaktoren

Die Forscher des B.E.R. analysierten Daten von 530 Patienten, die an einer infektiösen Endokarditis erkrankt waren und sich einer Herzklappenoperation unterziehen mussten. Dabei unterschieden sie zwei Gruppen:

  • TREAT-Gruppe: 72 Patienten, die innerhalb von drei Monaten vor der Diagnose eine Zahnbehandlung (z.B. Extraktion, Wurzelkanalbehandlung) erhalten hatten.
  • DESOLATE-Gruppe: 55 Patienten, die bei der Aufnahme einen desolaten Zahnstatus aufwiesen – also starke Karies, Zahnstümpfe oder fortgeschrittene Zahnfleischerkrankungen.

Diese Gruppen wurden mit einer Kontrollgruppe verglichen, die weder eine Zahnbehandlung noch einen schlechten Zahnstatus hatte.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie

Die Studie, veröffentlicht im Journal of Clinical Medicine, zeigt klare Zusammenhänge:

  • Zahnbehandlung und Endokarditis: In der TREAT-Gruppe wurde deutlich häufiger das Bakterium Streptococcus mitis nachgewiesen (26,9%) als in der Kontrollgruppe (3,5%). Auch andere Streptokokken kamen häufiger vor.
  • Schlechter Zahnstatus und Endokarditis: Auch in der DESOLATE-Gruppe war Streptococcus mitis signifikant häufiger zu finden (27,9% vs. 4,9% in der Kontrollgruppe).
  • Alkoholmissbrauch als Risikofaktor: Patienten mit desolatem Zahnstatus hatten zudem deutlich häufiger einen Alkoholmissbrauch, was auf einen allgemein prekären Lebensstil hindeutet.

„Unsere Studie zeigt eindeutig, dass eine Bakteriämie mit dem typischen Mundkeim Streptococcus mitis mit Zahnbehandlungen und schlechtem Zahnstatus verbunden ist und möglicherweise eine infektiöse Endokarditis verursacht. Das Risiko wird nicht nur durch Zahnbehandlungen, sondern auch durch mangelnde Mundhygiene erhöht, insbesondere bei Risikopatienten.“ – Prof. Dr. Johannes Maximillian Albes, Leiter der Studie

Was bedeutet das für Sie?

Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer guten Mundhygiene und der richtigen Antibiotikaprophylaxe. Hier sind die wichtigsten Maßnahmen:

  • Bei Risikopatienten: Wenn Sie zu den Risikopatienten gehören (z.B. künstliche Herzklappe, Endokarditis in der Vorgeschichte, bestimmte angeborene Herzfehler), sollten Sie vor zahnärztlichen Eingriffen, die das Zahnfleisch verletzen, eine Antibiotikaprophylaxe erhalten. Fragen Sie Ihren Zahnarzt und Kardiologen.
  • Bei allen Patienten: Auch wenn Sie nicht zu den klassischen Risikopatienten zählen, ist eine gute Mundhygiene entscheidend. Regelmäßiges Zähneputzen, Zahnseide und Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt helfen, Zahnfleischentzündungen und Karies zu vermeiden – und damit auch das Risiko einer Bakteriämie zu senken.
  • Achten Sie auf Warnsignale: Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, Nachtschweiß, Müdigkeit oder plötzliche Atemnot nach einem Zahnarztbesuch sollten Sie ernst nehmen und ärztlich abklären lassen.

FAQ: Häufige Fragen zum Thema

Was ist eine Bakteriämie?

Eine Bakteriämie bedeutet, dass Bakterien in die Blutbahn gelangen. Dies kann bereits durch alltägliche Tätigkeiten wie Zähneputzen oder Kauen passieren, insbesondere bei Zahnfleischentzündungen.

Muss ich vor jeder Zahnreinigung Antibiotika nehmen?

Die aktuellen Leitlinien empfehlen eine Antibiotikaprophylaxe nur bei Hochrisikopatienten vor bestimmten Eingriffen. Eine professionelle Zahnreinigung zählt in der Regel nicht dazu, aber die Studie zeigt, dass auch hier eine Bakteriämie möglich ist. Besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt.

Wie erkenne ich einen desolaten Zahnstatus?

Ein desolater Zahnstatus zeigt sich durch sichtbare Karies, Zahnstümpfe, lockere Zähne oder starkes Zahnfleischbluten. Lassen Sie regelmäßig Ihre Zähne vom Zahnarzt kontrollieren.

Fazit

Die Brandenburg-Endokarditis-Studie liefert starke Belege dafür, dass sowohl Zahnbehandlungen als auch ein schlechter Zahnstatus das Risiko für eine infektiäre Endokarditis erhöhen. Besonders das Bakterium Streptococcus mitis spielt dabei eine Schlüsselrolle. Für Risikopatienten ist eine konsequente Antibiotikaprophylaxe vor Zahnbehandlungen unerlässlich. Aber auch für alle anderen gilt: Eine gute Mundhygiene ist nicht nur gut für Ihre Zähne, sondern schützt auch Ihr Herz.

Quellen

  • Ostovar, R., Necaev, A.-M., Schröter, F., Zinab, F.S., Dörr, G., Schmalz, G., & Albes, J.M. (2025). Infectious Endocarditis Is Associated with Dental Treatment or Poor Dental Status—Results from the Brandenburg Endocarditis Registry (B.E.R.). Journal of Clinical Medicine, 14(8), 2784. https://doi.org/10.3390/jcm14082784
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